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Schule und digitale Medien

Bardo Herzig geht in seinem Text „Schule und digitale Medien“ von vier Begründungsmustern (nach Hawkridge) aus, wonach sowohl die instrumentelle Nutzung, als auch die inhaltliche Auseinandersetzung mit digitalen Medien eine wichtige Aufgabe von Schule geworden sei. Diese Begründungen sind:

  • Die gesellschaftliche Begründung (Schule als Vorbereitung auf eine Welt voller neuer Medien)
  • Die berufsbezogene Begründung (Veränderung der Gesellschaft hin zu einer Informations- oder Wissensgesellschaft erfordere eine diesbezügliche Ausbildung)
  • Die pädagogische Begründung (Entwicklung einer neuen Lernkultur und Verbesserung der Lernergebnisse)
  • Die katalytische Begründung (Veränderung von Institutionen und deren Mitgliedern)

Weiter versteht Herzig Medien als Mittler. Digitale Medien unterschieden sich durch das Alleinstellungsmerkmal von anderen, d.h. sie können auch die Funktion der Verarbeitung wahrnehmen. Im Kontext von Lehren und Lernen seien vor allem folgende Typen digitaler Medien von Bedeutsam:

  • Lernprogramme (Neues erlernen)
  • Übungsprogramme (Bereits erarbeitete Inhalte festigen)
  • Offene Lernsysteme (Bereitstellung didaktisch und hypermedial aufbereiteter Inhalte zu einem Themengebiet)
  • Datenbestände (Informationssammlung)
  • Lernspiele (in pädagogisch entworfenen Situationen agieren)
  • Werkzeuge (ermöglichen Erzeugung, Gestaltung und Nutzung visueller, auditiver und audiovisueller Handlungsalternativen)
  • Experimentier- und Simulationsumgebungen (virtuell experimentieren und simulieren)
  • Kommunikations- und Kooperationsumgebungen (Meinungsaustausch)

Aus diesen lassen sich nun nach Herzig folgende lernförderliche Potenziale ableiten:

  • Dezentralisierung und Deregulierung von Lernorten (Lernen überall und jederzeit)
  • Multicodalität und Multimodalität (unterschiedlichste Sinnesmodalitäten werden angesprochen)
  • Information on demand und just in time (Informationen lassen sich zum gewünschten Zeitpunkt abrufen)
  • Adaptivität (Anpassung der Medien an den Benutzer)
  • Interaktivität (ermöglicht Bearbeitung und Umgestaltung)
  • Feed-back (Manipulationen von symbolischen Strukturen)
  • Kommunikation und Kooperation (Möglichkeit mit anderen in Verbindung zu treten)
  • Entlastung von Routinetätigkeiten (Entlastung im Lehr- und Lernprozess)
  • Sanktionsfreie Räume (virtuelle Räume)

Obige Potentiale beschreiben zunächst nur Möglichkeiten, digitaler Medien in der Schule. Auf die Frage, ob sie sich auch empirisch belegen lassen, konstatiert Herzig, dass die Ergebnisse u.a. stark differieren, weshalb aus den Studien keine validen Schlüsse zu ziehen seien. Kommen digitale Medien im Unterricht zum Einsatz, so könnten sie folgende Funktionen übernehmen:

  • Lernanregung und Lernhilfe
  • Informationsquelle
  • Werkzeug für die Erschließung von Informationen
  • Werkzeug für die Be- und Verarbeitung von Daten
  • Gegenstand von Analysen
  • Bereitstellung von Materialien für die eigenständige Bearbeitung
  • Instrument der Kommunikation und Kooperation
  • Instrument der Speicherung und der Präsentation von Arbeitsergebnissen

Hiermit sei jedoch nicht gesagt, dass diese Funktion nun auch unbedingt von digitalen Medien übernommen werden sollen. Die Verwendung sollte an das Unterrichtsvorhaben angepasst sein.

Schule und traditionelle Medien

Zu Beginn seines Textes räumt Spanhel ein, dass die Frage nach dem Verhältnis von Schule und traditionellen Medien angesichts der rasanten Entwicklung „neuer“ Medien auf den ersten Blick überholt zu sein scheint. Doch müsse man sich darüber im Klaren sein, dass Schule als mediale Konstruktion seit Jahrhunderten auf den Funktionen „traditioneller“ Medien basiere und dass diese auch in Zukunft ihre grundlegende Bedeutung für die Schüle behalten würden. Unter traditionellen Medien sollen die gesprochene und geschriebene Sprache, die Printmedien, sowie die technischen Medien, die sich bis 1970 entwickelt haben (Foto, Dias, Film, Rundfunk, Tonträger, Fernsehen, Videofilme und –spiele) und als Verbreitungs- bzw. Massenmedien charakterisiert werden können, verstanden werden. Im Laufe der Geschichte wurden nacheinander Konzepte erarbeitet, in denen sich die Entwicklung der Medienpädagogik widerspiegelt:

  • Die „behütend-pflegende Medienerziehung“ als Reaktion auf problematische Veröffentlichungen Anfang des 20. Jahrhunderts
  • Die „ästhetisch-kulturorientierte Medienerziehung“ als Reaktion auf die Kinos in den 50ern
  • Die „funktional-systemorientierte Medienerziehung“ als Reaktion auf die Verbreitung von Rundfunk/Fernsehen/Hörmedien in den 70ern
  • Die „kritisch-materialistische Medienerziehung“ als Form der Gesellschaftskritik in den 70ern
  • Die „handlungs-und interaktionsorientierte Medienerziehung“ als Reaktion auf die Ergebnisse der Medienforschung in den 80ern

1995 schaffte es die Medienerziehung als Pflichtfach in die Schule. Es ging um die traditionellen Medien als Lerngegenstand. Die relative Erfolglosigkeit der schulischen Medienpädagogik ist laut Spanhel u.a. mit dem politischen Druck auf die Schulen zur Integration der neuen Medien (Computer und Internet) zu erklären. Dieser Umschwung löste natürlich einige Umbrüche aus:

  • Von Traditionellen hin zu neuen Medien
  • Von Medienerziehung hin zur Mediendidaktik
  • Von der Beschäftigung mit Medieninhalten hin zur Vermittlung von Medienkompetenz, unter Vernachlässigung der basalen Kommunikations-, Sprach- und Lesekompetenz
  • Von einer kritisch-emanzipatorischen Sicht der Medien hin zu einer technischen

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung nennt Spanhel einige Entwicklungs- und Erziehungsaufgaben. Ziel derselben sei Medienbildung als Prozess und als Ergebnis des Prozesses der Vermittlung von Welt und Selbst durch diese Medien. Medienbildung sein ein Teil der Allgemeinbildung und der Persönlichkeitsbildung. Angesichts der rasanten Weiterentwicklung im Medienbereich wird die Schule in Zukunft vor immer neuen Herausforderungen stehen.

Mein Fazit

Zuallererst muss ich zugeben, dass mir die Inhaltsangabe der beiden Texte äußerst schwer gefallen ist. Das wichtigste Herauszufiltern war für mich eine Sisyphus-Aufgabe, die ich meines Erachtens nicht optimal gelöst habe. Die Zusammenfassungen sind für die Länge des Originaltextes zu lang. Aber nun zum Inhalt. Beide Texte sind überaus ansprechend und für die spätere Praxis im Lehrberuf relevant. Ich bin auch der Meinung, neue Medien müssten mehr in den Schulalltag integriert werden, um so niemanden auf dem rasanten Weg der Medien zurückzulassen. Ich denke da an die zum Teil sehr schlechte Anleitung des Lehrers, wenn in meiner Schulzeit mit Computern gearbeitet wurde. Es gab immer einen Teil der Klasse, der nichts mit den Anweisungen des Lehrers anzufangen wusste. Diesen Teil zu minimieren ist wohl eine Aufgabe in der Medienerziehung. Auch stimme ich dem Autor zu, wenn er behauptet, Medienkompetenz gehöre zu den beruflichen Anforderungen, weshalb sie unbedingt in der Schule vermittelt werden müsse. Schließlich kann man mittlerweile sogar Pizza online bestellen! Die beiden letzten Fragen am Ende von „Schule und traditionelle Medien“ bereiten mir Kopfzerbrechen, da ich ja als Lehrer einer derjenigen werde, von dem eine Antwort gefordert werden wird. Mal sehen, was ich dann zu antworten vermag.

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